Warten auf die Biskaya

Nun warte ich schon 3 Tage auf guten Wind um die Biskaya zu queren. Was macht man so, wenn man tagelang nicht segeln kann? Ich habe wandern für mich entdeckt. Allerdings fehlt es mir ein wenig an Kondition und auch Ausdauer. Ich kann nicht den ganzen Tag wandern. Strand? Auch nicht meins ebenso wie Museumsbesuche. Ich muss Urlaub machen ganz neu erlernen. Sonst bin ich (fast) jeden Tag gesegelt oder musste mich davon ausruhen. Es werden noch mehr Warte-Tage werden, denn Freitag zieht ein Tief durch. Das warte ich auf jeden Fall ab. Danach? Ist dann nicht zu viel Schwell? Erkunde ich weiter die Bretagne?

Blick auf die Anse de Pen Hat. Wandern und Strandurlaub normal nicht so mein Ding. Viel Zeit haben kann auch zum Problem werden.

Fotogene Landschaft an jeder Ecke. Nur Seevögel bekomme ich nicht ins Bild. Die Viecher fliegen einfach nicht vor meine Linse.

Camaret sur Mer gefällt mir sehr gut. Der Hafen ist geschützt und hat Wifi. Der Ort ist interessant und hübsch anzuschauen. Überall gibt es kleine Ateliers in denen lokale Künstler ihre Werke ausstellen. Leider wenig Fotografie, was mich mehr interessiert als Malerei. Wanderwege führen über die Klippen zu verschiedenen Stränden und Caps. Man kann auf die Biskaya gucken und überlegen, wie wohl der Schwell sein wird.

Blick von den Klippen. Rechts müsste Brest sein, geradeaus Quessant und links lange nichts und dann Spanien

Kleine Gassen und Hinterhöfe gibt es zu entdecken in Camaret sur Mer

Ich bin übrigens nicht nervös was die Biskaya angeht. Obwohl ich – zumindest alleine – noch nie drei Tage am Stück auf See war. Ich habe eher Angst, dass ich in der Flaute die Nerven verliere, ewig motoren muss und mein Sprit nicht reicht. Auch weiß ich noch nicht so recht wohin mit meiner Rettungsinsel. Zur Zeit liegt das tonnenschwere Teil noch im Vorschiff immer im Weg, wenn ich etwas aus dem Vorschiff brauche. Soll sie am Heck, wenig einsatzbereit, verkeilt im Spinnennetz aus Aries, Achterstag und Badeleiter im Weg liegen? Oder lieber hinter der Sprayhood auf dem Fenster den Salon verdunkeln, das Solarpanel abschatten und die Aussicht verschandeln?

In dieser Bar kann man sich sein Essen selber fangen. Oder man bestellt auf der Terrasse Austern und ein Glas Wein. Einen Supermarkt gibt es aber auch

Verlassene Fischerboote am Ufer. Bretonen glauben wohl, Schiffe haben eine Seele. Deshalb darf man sie nicht entsorgen.

In Roscoff kann ich endlich meinen Spibaumbeschlag anbringen. Ohne Nico von TamTam Sailing hätte ich mich nicht getraut in meinen nagelneuen Mast zu bohren. Hat gar nicht weh getan ;-) vielleicht baue ich sogar noch mehr Dinge an? Nur, weil ich es kann!

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Treguier und Ploumanac’h

Nach Treguier segle ich eigentlich nur, weil es vom Wind nicht anders geht und ich bleibe drei Tage, weil es vom Wind nicht anders geht. Es ist trotzdem schön und kurzweilig. Ich lerne zwei Amerikaner kennen auf einer nagelneuen 44 Fuß Aluyacht, eine Boreal. So heißt die Werft. Das Schiff ist bisher nur vom Kran 50m weiter zum Liegeplatz gefahren. Wenford, ein Millionär aus New York, so um die 40, hat das Schiff gekauft. Er hat es auf einer Boatshow gesehen und es hat ihm gleich gefallen. Er ist noch nie gesegelt. Um das zu lernen hat er Steve als Consultant. Steve ist vermutlich über 70 Jahre, nach eigener Aussage mehrfach um die Welt gesegelt unter anderem mit einer Boreal. Steve ist Fanboy von Boreal. Er will mir auch die Werft zeigen, die keine 5 km entfernt ist. Die Leute von Boreal finden die Idee weniger gut. Das sie uns nicht rausschmeißen ist alles. Unter Deck ist nichts, keine Teller, kein Besteck. Die Millionäre trinken billigen Fusel aus Plastikbechern. Kabel hängen aus der Wand wo keine Lampen dazu bestellt wurden. Die Matratzen sind noch in Plastik eingeschweißt, die Schapps leer. Ich verschenke einen alten Reeds (nautical almanac) damit es ein bisschen wohnlich wird. Sie warten auf Ausrüstung, die Wenford in Amerika bestellt hat und jetzt in einem Container um die halbe Welt geschippert wird. Das dauert. In Frankreich wollte er nichts bestellen. Kümmert sich die Werft denn nicht? Die haben ihm das Schiff noch nicht einmal vollgetankt.

Das Schiff ist echt klasse und sinnvoll ausgerüstet. Wenn ich mal wieder 1 bis 2 Millionen Euro über habe, kaufe ich mir auch so eins. Damit segelst du überall hin (nur nicht in kleine, pitoreske Häfen wie Ploumanac’h) und bleibst noch trocken und warm dabei. Der alte Mann und der Anfänger wollen es in die USA überführen. Jedem sein eigenes Abenteuer!

Seit drei Tagen will ich nun schon nach Ploumanac’h. Ein Tipp von Hans. Ich lege so früh ab, dass in der Einfahrt noch nicht genug Wasser ist. Selbst um die Wartebojen zu erreichen ist es zu flach. Um die Zeit zu vertreiben segle ich zu den Les Sept isle. Dafür, das es ein Vogelschutzgebiet mit verbotenem Zutritt ist, laufen hier ganz schön viele Leute herum. Mit Presslufthammer und schweren Gerät bauen sie an einer Straße oder ähnliches. Ich frage mich, warum eine nicht zugängliche Vogelinsel von der Größe eines Stadtparks eine Straße braucht?

„Are you just a wife?“ Äääääh ..? qui, ja! Ich weiß ja, was er meint. Ich bin alleine an Bord. Bei den Franzosen muss man immer mitdenken, wenn sie englisch sprechen. Denken sich die Engländer bei mir bestimmt auch. Die beiden Jungs im Dinghi sehen nicht aus als wären sie autorisiert hier Hafengeld zu kassieren. Eher als erlaubten sie sich einen Spaß oder eine Gaunerei. Mit Karte zahlen geht auch nicht. Nur Cash. Den Code für die Toiletten? Hat er vergessen, er kommt aber gleich wieder. Na klar! Ich bekomme aber eine Quittung die offiziell aussieht. Wenn also der ‚richtige‘ Hafenmeister kommt bin ich gewappnet.

Ploumanac’h ist der Hammer! Große, glatt geschliffene Felsen liegen im Meer herum wie Kartoffeln in einer Kiste. Kreuz und quer , übereinander untereinander. Im Licht der untergehenden Sonne leuchten sie zartrosa. Manche sind so groß wie Autos, manche wie Häuser. Die Felsen am Festland sind mit Kiefern und Gestrüpp bewachsen, auf einer größeren Inseln steht ein Schloß, auf kleineren manchmal ein Haus. Man kann spazieren gehen, auf den Felsen herum klettern, baden oder – wie ich – Fotos machen. Durch den Gezeitenunterschied von 8m ergeben sich immer wieder neue Ansichten der Landschaft.

Viele Familien mit Kindern machen hier Urlaub was auch bedeutet, dass der Ort um 2100 Uhr wie ausgestorben ist. Der Hafen wird zum See bei Niedrigwasser, es weht kein Wind. Das lauteste sind meine Paddel, wenn sie ins Wasser eintauchen als ich zurück zum Schiff rudere. Mir hat jemand meinen ToterMAnn Schalter geklaut, so dass ich den Außenborder nicht starten kann. Vielleicht damit ich die Idylle nicht störe?

Hier hätte ich länger bleiben können aber ich bin verabredet mit den TamTams in Roscoff.

Abendessen an Bord: Tintenfisch mit Ratotuille – sehr lecker

Ich war echt nur ganz kurz weg. Als ich wieder komme ist das Wasser mal locker 50m weit weg. Angebunden habe ich das Dinghi bei Hochwasser.

In Ploumanac’h an der Warteboje. Ich muss warten bis über einem Sill mindestens 1,7m Wasser steht. Holländer fahren an mir vorbei „wir gehen es probieren. Wir sind 1.7 tief“ ja, dann…hinterher. Wenn Sie hängen bleiben warte ich halt noch ;-)

Mean Ruz das Leuchtfeuer von Ploumanac’h

Langzeitbelichtung von Mean Ruz – ich mag die Farben

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Alderney

Das Alderney Race stellte ich mir wilder vor, mit Strudeln und brodeldem Wasser, meterhohen Wellen, Overfalls….(Seeungeheuern und Piraten). Stattdessen bin ich einfach nur unglaublich schnell. Bei 8kn Wind auf einem am Wind Kurs segle ich 9 kn über Grund. Eigentlich ist total egal, was ich segle mit wie viel Wind, der Strom schiebt mich wohin er möchte! Unheimlich auch ohne zu übertreiben.
In Alderney selber sind alle Moorings belegt außer ein paar private an die ich mich nicht so recht traue. Das Ankerfeld ist ebenfalls recht voll. Ich finde kaum einen Platz, kann meinen Swojkreis und den der anderen überhaupt nicht abschätzen, auch nicht die Entfernung zum flachen Wasser, und ankere erstmal wo Platz ist und alle ankern. Da wird es tief genug sein. Bald wird klar: bei Hochwasser, wenn alle sich drehen und swojen, habe ich hier ein Problem. Zora bewegt sich an ihrer Ankerleine anders als die anderen Yachten. Dazu reicht ein Hauch von Nordkomponente im Ostwind für fiesesten Schwell. Es klatscht an Zoras Heck und es schaukelt wilder als im Alderney Race. Ich tue die ganze Nacht kein Auge zu. 25 Knoten Wind aus Nordost, Schwell, ständig zu nah entweder an Yacht x oder y, der Ankeralarm piept so oft, dass es schon unglaubwürdig wirkt. Allerdings nicht aufstehen und nicht schauen möchte ich auch nicht. Dafür ist der Sternenhimmel fantastisch!

Braye auf Alderney

Cherbourg

Leuchtfeuer Alderney

Zora an der Mooring in Braye auf Alderney

Frühstücksgast

Im Pub „Diver’s Inn“ in Braye – Fish&Chips mit Blick aufs Ankerfeld. Zora liegt gleich hinterm Bier

Den Sonnenaufgang verpasse ich. Vielleicht habe ich doch eine halbe Stunde geschlafen?
Erst am nächsten Tag erkundige ich die Insel mit einem Mietfahrrad. Schöne Insel, scheiß Fahrrad, cooler Pub, nette Leute!
Alderney war mein erster unbekannter Hafen der Reise. Ab jetzt geht also das entdecken neuer Orte los!

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Fast wie Urlaub

Ich trödle mich durch den englischen Kanal. Gemütliches segeln von Hafen zu Hafen, alles sehr unspektakulär, fast wie Urlaub. Zwischendurch packt mich kurz der Ehrgeiz und ich plane nach Cherbourg zu kreuzen, nach Falmouth sogar? Es wird Dieppe, keine 40 Seemeilen weiter, wo ich einen Tag lang den Markt besuche, faul in der Sonne liege und liebe Menschen treffe. Dasselbe in Fecamp. Noch kenne ich alle Orte. Noch folge ich den gewohnten Urlaubswegen aller Segler. Ich verbringe die Tage mit warten aufs Wetter, abhängen am Schiff, einkaufen. Heute war ich wandern, dann einkaufen, dann schwimmen. Und schon ist der Tag vorbei!

Abendstimmung Dieppe

Fecamp Strand

Fecamp Hafenmole

Parkplatz mit Aussicht – ich mag alte Autos sehr

Fecamp – Selfie mit Kreidefelsen

Gewürze in Dieppe auf dem Markt

Boulogne sur Mer Hafenmole

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Unterwegs

Ich sitze um Cockpit, trinke meinen ersten Kaffee und schaue auf die Schiffe im Hafen. Nichts besonderes, schon tausend mal gemacht. Aber es ist nicht wie immer. Irgendwas ist anders als sonst. Was? Ich habe keinen Schlüssel mehr! Ich brauche keinen! Seit Montag bin ich Wohnungslos und seit Dienstag autolos. Ich habe nichts, dass ich abschließen müsste. Der Schlüssel von der Arbeit ist ‚an einem sicheren Ort‘ deponiert. Ich brauche ihn ein Jahr nicht. Ich habe heute keine Termine, morgen auch nicht! Mein Handy Wecker klingelt im August 2020. Fühlt sich so Langfahrt an?
Ich bin gefragt worden, was die wichtigste Eigenschaft ist um so eine Reise erfolgreich zu beenden. Ich habe lange überlegt und ich bin mir immer noch nicht sicher. Vielleicht Zuversicht? Zuversicht, dass schon alles klappen wird? Ich wünsche mir Zuversicht! Am zu kleinem Wassertank, wie viele meinen, oder am fehlenden Bimini wird es nicht scheitern. Es gibt vieles was Zora nicht hat. Aber es haben schon wesentlich schlechter ausgerüstete Schiffe fantastische Reisen erlebt während jene, mit allem schick schnack ausgestattet, nie abgelegt sind! Also: Leinen los! Ich bin unterwegs!

Ich bin unterwegs. Etwas wärmer dürfte es gerne sein

Erster stopp Sixthaven Amsterdam – voll wie immer

Ich folge Uwes Rat „Gönn‘ dir schon am Anfang etwas.“ Die Reise beginnt nicht erst in x Monaten sondern am ersten Tag!

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