La Coruña

In La Coruña lerne ich Ralf und Jerry kennen, beides ebenfalls Einhandsegler. Sie kennen dieses Revier sehr gut. Ralf möchte sogar einen Reiseführer schreiben. Er hat mich am Steg angequatscht und ich bin ihm ganz dankbar dafür, muss ich doch dringend mal unter Leute!
Jerry kommt aus Guernsey, ist eher der Partytyp und trinkt ganz gerne mal ein Schlückchen. Ich erhoffe mir neben wertvollen Tipps einen geselligen Abend. Ralf, der mit dem Reiseführer, sucht uns eine Tapas Bar aus, in der es keine Tapas gibt. „Es ist zwar etwas teurer hier dafür auch weiter weg“, so seine Argumente für das Restaurant, „…und weniger Touristen!“ Später lotst und Jerry in die Ciudad Veja (Altstadt), wo er scheinbar jeden kennt, und hören ein Live Konzert auf einem herrlichen Platz unter hohen Laubbäume, umringt von urigen Bars und Restaurants. Keine Spur von Touristen.
Ob ich auch so schrullig bin wie die beiden? Ich komme mir gar nicht so vor.
Die nächsten Tage erkunde ich die Stadt alleine, finde ursprüngliche Tapasbars, Jamonerias, kleine Kneipen. Außerdem versuche ich einen Fernauslöser für meine Kamera zu kaufen (meiner löst nicht mehr aus) sowie einen Laptop (Display defekt). Der Dieselkanister ist vielleicht doch gar nicht so dringend. Falls sich aber eine Gelegenheit zum Kauf ergibt, bin ich nicht abgeneigt. Leider alles erfolglos trotzdem eine gute Möglichkeit Sprach- und Ortskenntnisse zu verbessern!

La Coruña hat mir sehr gut gefallen. Erfahrene Segler – keine Schnacker – haben mir unabhängig von einander geraten, La Coruña auszulassen und nach der Biskaya als ersten Hafen etwas südlich von Cap Finisterre anzulaufen. Ich bin ganz froh, dass ich nicht darauf gehört habe. Als nächstes erkunde ich die Rias.

Fensterplatz

Ciudad veja – die Altstadt La Coruña. Kaum touristisch. Das Kreuzfahrtschiff kommt erst am Montag

Torre de Hercules – der älteste Leuchtturm Europas? Der Welt?

Bodega mit interessanten Trinkgefäßen und Menschen

Live Konzert umsonst und draußen – tolle Stimmung in der Ciudad veja

In.der Innenstadt von La Coruña

Fahnenapell in der Alststadt. Ich lasse meine immer dran, auch nachts.

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Auf nach La Coruna

Wie unterschiedlich der Wind auf die Tageszeiten und Tage verteilt ist, erfahre ich auf dem Weg nach La Coruña.

Unterwegs nach Cedeira – den Segler rechts habe ich überholt

Hinterm Cabo Ortegal nimmt der Wind stetig zu. Ich merke es kaum, denn ich habe ein anderes Schiff entdeckt und bin längst im Regatta Modus. Ich segle gar keine Regatten, habe das nie gemacht und auch kein gesteigertes Interesse daran. Aber wenn ich ein Schiff sehe, will ich schneller sein. Diesmal ist er unter Vollzeug, ich mit eingerollter Genua und gerefften Großsegel!
Zwischendurch dachte ich, er will mich hochluven (quasi abdrängen und zum ausweichen zwingen), was vielleicht legitim aber sicherlich charakterschwach ist unter diesen Bedingungen (25-44 kn Wind) und Welle. Wo kommt der Wind her? Kapeffekt? So krass? Spätestens seit heute liebe ich mein neues Rigg. Ich habe keine Angst, dass es mir auf den Kopf fällt.

Wie groß mein Verdienst am überholen ist, bleibt fraglich. Eigentlich halte ich mich nur mit beiden Händen an Zora fest während sie mit mir spazieren fährt. Ich bin so stolz auf mein Schiff! Als es auf 30 Knoten abflaut, traue ich mich eine Hand loszulassen um ein Foto zu machen.
Später treffe ich den Segler in der Ankerbucht. Keine Spur von charakterschwach. Ich bin hier das Weichei.

Das Zora auch bei wenig Wind segelt, muss sie am nächsten Tag beweisen. Es weht mit weniger als 7 Knoten. Ich habe keinen Diesel mehr um zu motoren. Genauer gesagt, ich weiß nicht, wie viel Diesel ich noch habe. Der Punkt Tankanzeige reparieren steht seit Kauf des Schiffes auf der ToDo Liste, schaffte aber nie den Sprung in die Top 100.
Nach meiner Überachlagsrechnung müsste der Tank seit Stunden leer sein!

So nah an dem christlichen Pilgerort Santiago de Compostella kommt mir die Idee, dass es sich mit meinen Treibstoffvorräten vielleicht so verhält wie bei der wundersamen Brotvermehrung. Jesus gelang es mit äußerst geringen Mengen Brot – ’nem halbem Baguette? – mehrere tausende Menschen satt zu kriegen. Auch bekannt als Speisung der 5000.

Auf solche Ideen kommt man nur in der Flaute. Die Hitze steigt mir wohl zu Kopf!?
Da ich eher der Mathematik vertraue, statt auf Wunder hoffe, bleibt der Motor aus. Ich segle. Unter 1 kn Speed. Ginge ich zu Fuß, ich würde mich überholen. Meine Mutter würde mich überholen!

Ich versuche in die Rufweite eines ankernden Anglerbootes zu treiben, winke mit dem leeren Kanister und rufe:“No tengo Diesel!?“ Das müsste doch verständlich sein? Ich hatte viel Zeit mir die richtigen Worte zurecht zu legen. Kopfschütteln. Er hat keinen Diesel für mich. Auch ein zweiter Versuch bei einem anderen Boot mit drei Opas endet erfolglos. Tja, dann! Noch 10 Stunden bis La Coruña. Ich kann die Einfahrt schon sehen.

Der Punkt 20l Kanister kaufen schafft es als Neueinsteiger auf Anhieb in die Top 10 der Dinge, die ich in La Coruna erledigen möchte.

Natürlich kommt später Wind auf und natürlich reicht der Sprit zum anlegen. Da habe ich mich wohl verrechnet. Wie immer geht alles gut. Hoffentlich bis in alle Ewigkeit, Amen!

Angler am Dinghi Steg in Cedeira – ich habe vergessen am Boot Licht anzumachen. Hoffentlich finde ich es im Dunkeln trotzdem wieder

Die Ankerbucht von Cedeira

Blick auf den Atlantik – schöne Wanderwege entlang der Costa da Morte

Der Torre de Hercules, das Leuchtfeuer von La Coruña. Ich schaffe es aber noch bei Tageslicht anzukommen.

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Biskaya, zweiter Versuch

Meinen Stegnachbarn nenne ich „Hoedic!“ als Ziel. Gelogen! Ich will gar nicht immer sagen müssen wo ich als nächstes hinfahre und wann ich wo bin. Ich weiß das selber nicht immer, weil es oft einfach keine Rolle spielt.
Der Plan ist tanken und dann in den Golfe du Morbihan. Am Stegkopf entscheide ich mich anders. Statt rechts zur Tankstelle biege ich links ab! Auf in die Biskaya!!

Jetzt oder nie!
Ich könnte noch drei Tage warten. Dann ist noch günstigerer Wind vorhergesagt.
Ich segle einen speedoptimierten Amwindkurs bei 20 Knoten Wind (5 Bft), das sind bei mir ca. 50-60 Grad zum Wind. Damit werde ich in 60-70 Stunden die spanische Küste irgendwo zwischen Santander und La Coruna treffen. Wo genau kann man dann ja immer noch gucken. Ich lege mich im Salon in die Koje. Segelsachen lasse ich an aber einen Schlafsack hole ich mir dazu. Mein Handy liegt neben mir auf der Rettungsinsel, die ich mittlerweile als Tisch mißbrauche und auch hoffentlich nie für etwas anderes. Der Wecker klingelt alle 20 Minuten. Ich schaue aufs Handy und kontrolliere auf dem AIS (Erklärung unten für die nicht-segler) ob Schiffe in der Umgebung sind. Draußen schaue ich, ob ich noch etwas anderes sehe außer einer Millionen funkelnde Sterne. Der Kurs stimmt, Segelstellung auch, die Aries steuert. Die Nacht ist stockfinster bis ein glutroter Mond aufgeht und hinter einer Regenwolke verschwindet. Nichts passiert. Die ganze Nacht. Ich schlafe keine Minute.
Die Sonne geht so spät auf, dass ich anfange mir Sorgen zu machen. Da wird doch wohl nichts passiert sein?
Der Wind dreht und schläft ein.
Flaute! Wer segeln sooo liebt „wegen der Stille, dieser wunderbaren Ruhe auf dem Meer, nur das plätschern des Wassers“ war noch nie bei Restwelle in einer Flaute. Die Segel schlagen wild und knallen laut. Nichts plätschert hier. Zora schaukelt unvorhersagbar in alle Richtungen, überall klappert ein Block, eine Rolle, ein Fall, eine Flasche im Schapp, eine Tür. Ich starte den Motor und fahre ein paar Stunden. Mein Treibstoff reicht nicht um irgendwo anzukommen. Ich weiß das. Ich wusste es vorher. Also Motor wieder aus.
Ich trimme die Segel, dass ich halbwegs Ruhe habe. Der Kurs ist ersteinmal egal, ich bin eh viel zu langsam. Dann lege ich mich hin und schlafe. 20 Minuten. Aufstehen, gucken, schlafen. Der Wind wird schon wieder kommen. Seit Stunden habe ich kein Schiff mehr gesehen; weder „live“ noch auf dem AIS. Das Meer ist leer. Ich segle ganz alleine darauf herum!
Am dritten Tag kommt der Wind zurück und nimmt ordentlich zu. Am Horizont sehe ich dunkle Wolken dicht über dem Wasser. Land? Ich trage „Land in Sicht!“ ins Logbuch ein. Damit ist es amtlich!

Als Zielehafen suche ich mir Luarca aus. Nur bedingt eine gute Wahl.

Luarca, inneres Becken nur für Einheimische!

Der Himmel über der Biskaya! Schon schön so alleine auf See mit nichts um sich herum.

Mein AIS Screenshot kurz vor Luacra. Der rote Punkt bin ich. Das Flugzeugsymbol finde ich süß! wusste gar nicht, dass Flugzeuge AIS haben. Ist wohl ein „search and rescue“

Luarca! Hinter der Hafenmole sind sofort Wind und Welle komplett weg. Warm ist es. Ich bin ins Freibad gesegelt und fahre jetzt durchs Springerbecken. Die Dorfkinder springen mir fast aufs Boot und schwimmen schnell davon bevor der nächste Fischer rein fährt. Ein Junge ruft etwas. Bestimmt was freches. Kleine Jungs rufen immer freche Sachen. Bald beginnt die Schule wieder für dich, Freundchen ;-)
Es gibt quasi keine Anlegemöglichkeit. Die im Reeds erwähnten Visitors Bojen findet keine der drei Gäste Yachten die hier liegen. Mit Hilfe der Crew von der waypoint liege ich außen an einer Boje, an der es bei Niedrigwasser zu flach ist für mich. Es fehlen 50 Zentimeter. „Rocky bottom“ meint Wick von der waypoint. Er sei getaucht. Ich muss hier weg! Draußen weht es mittlerweile mit im Schnitt 25 teilweise über 30 Knoten (Windmesser übertreibt).
Ich fahre zurück in den inneren Hafen und kann an einem einheimischen Fischer anlegen. (Die waypoint wurde weggeschickt). Ich hätte sonst echt ein Problem gehabt!
Mit Carolin und Wick von der waypoint gehe ich noch was essen. Ich bin gar nicht müde.

3 Tage und 2 Nächte habe ich gebraucht. Mein Plotter kann mir nicht sagen, wie viele Meilen es waren, das dumme Ding! Schätze 310 Seemeilen. Es fühlt sich an wie eine andere Welt.

Luacra ist kein Hafen für Gäste. nirgendwo kann man anlegen. Die Idee „ich lege mich erstmal an die Tankstelle“ hatte schon ein einheimisches Schlauchboot. An das verottete Segelböötchen (Mitte) wollte ich erst längseits, kann dann aber doch am Fischer fest machen.

AIS: Berufsschiffe müssen über Funk Informationen aussenden. Sie senden u.a. wo sie sind, wie schnell und in welche Richtung sie fahren. Mit einem entsprechenden Gerät (AIS Empfänger) kann man sich das auf dem Bildschirm anschauen und Schiffe sehen bevor sie „live“ zu sehen sind. Sehr praktisch. Sehr sicher. Segelschiffe dürfen auch Informationen senden um dadurch besser gesehen zu werden.

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Süd Bretagne

Scheiß‘ aufs Wetterfenster, ich erkunde die Bretagne! Glenan Inseln! Traumhaft, türkises Wasser, toller Strand, einsame Insel (wenn die Tagesgäste weg sind). Concarneau, alte Altstadt, etwas touristisch aber ich bin ja Tourist also wie gemacht für mich. Belle Île, der Name ist Programm, Sauzon ist ein verschlafenes Dorf und Le Palais der Großstadtmoloch im Vergleich dazu. Beides reizvoll.
Vom Golfe du Morbihan schwärmen alle und kaum jemand war dort. Ich auch nicht. Ich komme nur bis zum Eingang.

Sauzon auf der Belle Île

Dinghi Tour zum Bäcker in Sauzon

Straßenmusiker vor dem Ville Close in Concarneau

Concarneau – Blick auf die Altstadt

Saint-Nicolas ist die größte Insel des Glenan Archipels. Könnte auch irgendwo an der Nordsee sein

Glenan Inseln

Bretonische Folklore und viel Dudelsack Musik in Concarneau.

Burgfräulein in Concarneau

Wenige Häuser stehen auf den Glenan. Geschützt hinter einer Düne, ohne Fenster zur Windseite. Wie sieht es hier wohl im Herbst aus, wenn die Atlantikstürme ungebremst auf die Inseln treffen?

Diese Foto macht wohl jeder hier. Der causeway wird nur bei Hochwasser +- 1/2 Stunde überspült.

Es gibt hier nicht viel. Wege, Zäune und Schilder schützen die Touristen davor die Natur zu zerstören die sie sich so gerne ansehen möchten.

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Biskaya, erster Versuch

Ich kann nicht gut warten. Eigentlich ist warten nicht schwer. Man muss so lange nichts tun bis der Moment gekommen ist damit aufzuhören. Nichts tun kann ich gut. Warten nicht.
Ich lege also ab mit dem Ziel: weiß noch nicht-mal sehen, wie es läuft-vielleicht heute rüber? „Rüber“ heißt nach Spanien, drei Tage durch segeln.
Es läuft nicht gut. Ich brauche Stunden um um das Cap Raz de Sein zu kreuzen. Ich bin seekrank. Ich möchte in einen Hafen, wahlweise sterben, was schneller geht! Ich liege wie ein Häufchen Elend im Cockpit. Jemand anderes muss sich ums Schiff kümmern. Wenn noch jemand da gewesen wäre, hätte diese Person weiter nach Spanien segeln können (während ich warte, bis die Seekrankheit weg ist.) kann meine Aries das alleine?
Ich entschließe mich für Loctudy.
Wie unterschiedlich segeln sein kann und wie wichtig die Windrichtung dabei ist, weiß wohl nur ein Radfahrer, der den Unterschied zwischen bergab- und bergauf radeln kennt, ein Schulkind den Unterschied zwischen Klassenarbeit und hitzefrei.

Mit etwas Rückenwind, die Wellen herab statt hinauf, segelt es sich schneller, schöner, wärmer. Ich steure selbst. Weil es Spaß macht und mir hilft gegen Seekrankheit. Hätte ich schon eher machen sollen. Warum habe ich so lange damit gewartet?

Um halb 2 nachts mache ich an einer Mooring Boje fest und ramme dabei fast ein Motorboot und dann noch ein anderes – fast! Ich habe außer einer Banane nichts gegessen und viel zu wenig getrunken. Mittwoch ergibt sich das nächste Wetterfenster. Danach? Abwarten!

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