Chuck Norris segelt nicht gegen die Strömung

Weil ich das mit der Tide hier noch nicht so richtig einschätzen kann, bin ich sehr unentspannt unterwegs. Nur nicht später als 21:32 Uhr ankommen! Dann ist der Querstrom an der Hafeneinfahrt am größten. So habe ich das ausgerechnet. Und das will man nicht haben. So glaube ich!

Also brettere ich wie eine Irre vollkommen übertakelt durch eine konfuse See. 10 Stunden am Wind bei 5, meist 6 und bis 7 Windstärken. Jede fünfte oder siebte See geht übers Schiff und bis in mein Gesicht. Wegducken lohnt sich irgendwwann nicht mehr. Ich laufe extra ein paar Grad mehr Höhe um in Luv der Einfahrt auszukommen. Bloß nicht am Ende noch kreuzen müssen.

Ich bin verkatert von gestern, kurz vor Seekrankheit und steuere fast alles selber. Weil das hilft. Die halbe Strecke überlege ich, ob ich umdrehen soll, zurück segeln. Es wäre so einfach. Zwei Boote sehe ich unterwegs, eines davon ist die Fähre. Bei der Ausfahrt in Boulogne sur Mer drehten alle nach Norden ab.

Die Windsteueranlege ist überfordert mit den Bedingungen. Für sie hätte ich längst reffen müssen. Für mich auch. Ich kusche vor 2 Knoten Querstömung und segle mich halb krank. Die Belohnung? Alles naß, auch innen, Rückenschmerzen, blaue Flecke (neue und alte etwas blauer geworden). Erst als ich Dieppe von Weitem erahnen kann, bin ich wieder im Chuck-Norris-Modus und halte mich für unverwundbar! Über 7 Knoten Speed, ich kann etwas abfallen. Chuck Norris segelt nicht gegen den Wind. 7,6 Knoten und da schiebt keine Tide, die setzt nur quer!

Im Hafen sitzen alle gemütlich im Cockpitt. Kinder lachen und spielen auf dem Steg. Der Hafenmeister schlendert von Boot zu Boot. Es duftet nach Essen. Ja wissen die denn nicht, wie es mir draußen ergangen ist? Ich mache fest und frühstücke erstmal: Croissant und Anleger-Bier.

Ich lerne noch Kerstin und Helmut kennen. Sie kommen von 18 Jahren Weltumseglung und segeln gerade zurück nach Kappeln. In Boulogne sur mer habe ich Silke und Hans kennengelernt und in Dunkerque bin ich mit netten Belgiern versackt. Ich habe jetzt schon mehr Leute getroffen als in 4 Wochen Ostengland!

Castel in Boulogne sur Mer

Markt in Boulogne sur mer – spannendes einkaufen für mich. Ich spreche kein französisch

Kreidefelsen in Dieppe

Advertisements
Veröffentlicht unter England | Verschlagwortet mit , | 1 Kommentar

Nieuwport 

Ein paar Kreuzschläge zwischen den Sandbänken und ich kann den Kurs anliegen. Heute wäre Südwest Wind schlimmer gewesen als West. Dennoch bekomme ich einen kleinen Einblick in die Situation ‚Strom gegen Wind‘. Nasse Angelegenheit. Blankenberge war nicht so schrecklich wie gedacht, auch weil Birte und Nico mit ihrer Tamtam dort liegen. Ich will weiter.

Die belgische Flagge war 1€ billiger als die französische. Vielleicht, weil die Küste so kurz ist und man sie seltener braucht?

Kurz vor Nieuwport hardere ich mit meinem Schicksal,  durchnässt von mehreren Wellen und gestresst von 31 Knoten Wind (nur in Spitzen) überlege ich, noch ein Reff einzubinden. Da sehe ich ein Regatta Feld, mehrere Fußball Felder groß. Jugendliche in kleinen Jollen, unzählige RIBs, vereinzelte Zuschauerboote. Die Regattaleitung ankert entspannt in der Welle. Alle auf einem Fleck und mitten im Weg! Na so schlimm kann es ja dann nicht sein mit dem Wind und Wetter, wenn die ihre Kinder noch rausfahren lassen! Und zack, werde ich vom selbsternannten Seehelden zum Weichei und Schwachwindsegler. Noch eben das Anlegemanöver versauen und schon bin ich wieder „down to earth“ wie wir Binnenländer sagen.

Jetzt liege ich hier in Nieuwport und sorge mich um lächerliche 18sm bis Dunkerque, weil ich bei 5-7bft gegenan unter Motor ca. 1kn laufe und kreuzen zwischen den Sandbänken und Ridens sehr, sehr mühselig wird. 

Fotos gibt’s noch nicht.  Meine Handykamera stellt nicht mehr scharf. Schade, denn die Hafeneinfahrt in Nieuwport ist sehr fotogen.

Veröffentlicht unter Uncategorized | 4 Kommentare

Von Urk bis Amsterdam

So echtes Sommerferien Gefühl kommt noch nicht auf. Das Wetter ist eher wie Herbst. Der Heizlüfter läuft und trocknet die Sachen von gestern. Durch den Nieselregen kann ich nicht sehen, ob es vielleicht auch neblig ist. Kurze Hose T-Shirt ist definitiv zu kalt.

Triathlon in Urk. Die Hafeneinfahrt ist zur Hälfte gesperrt. Die Wechselzone direkt vor meinem Steg.

Gepackt habe ich wie ein Sechsjähriger. Weil beim packen so schönes Wetter war, haben nur 3 lange Hosen den Weg in meine Tasche gefunden; eine davon nur deshalb, weil ich sie auf der Hinfahrt anhatte. Nur 2 Thermohemden und ein dicker Pulli, den ich nicht über die zwei Hemden tragen kann, weil er zu klein ist. Zu wenig um nachts um englischen Kanal ‚rum zu kreuzen?

Beim ablegen in Urk rufen mir drei Leute hinterher: „Da hängt eine Leine im Wasser!“ Was ich wusste. Wenn 10cm der Bugleine im Wasser hängen, kann das gerne noch so bleiben bis ich aus meiner viel zu engen Box gefahren bin. Als dann der vierte aufgeregt quer durch den Hafen schreit:“zoja, zoja! “ (mein Schiff heißt Zora) schreie ich wenig freundlich zurück: „Was ist denn jetzt schon wieder? “ Er will mir einen Liegeplatz zuweisen! Ich bin keine zwei Schiffslängen von meinem entfernt! Wir brauchen alle dringend Urlaub.

Der Sixhaven in Amsterdam ist so voll, dass ich gerade eben mit dem Bug in die Einfahrt gucken kann. Ein Schwede winkt mich ran zum Päckchen liegen. Damit würde ich den Hafen schließen.

Ich motore weiter bis zur Amsterdam Marina. Dort zahle ich 25€ für eine ruhige Nacht mit WiFi, einem erträglichen Hauch SchikkiMikki und ohne Päckchen liegen, ohne Verholen im 10 Minuten Takt und ohne den Trubel des Sixhaven. 

Amsterdam Marina. Eine Alternative, wenn der Sixhaven überfüllt ist.

Veröffentlicht unter Uncategorized | 3 Kommentare

Pläne und was wirklich daraus wird 

Die Vorbereitungen für den Sommer Törn laufen und das nutze ich mal als Gelegenheit etwas neues zu posten.  Der Plan ist tatsächlich wieder regelmäßig etwas zu schreiben und zu bloggen aber wie das halt so ist mit Plänen. 

Was bisher geschah…..

Über Ostern habe ich mein Unterwasser Schiff komplett abgezogen und abgeschliffen, alle Macken vom kratzen und schleifen wieder zugespachtelt, das Ganze geprimert und neu „ge-antifoult“. Den Kiel habe ich entrostet und mit Epoxyprimer versiegelt und natürlich auch Antifouling drauf. Da das Ruderblatt Wasser gezogen hatte und sich halb auflöste, habe ich es neu gemacht bzw. machen lassen. Und wenn man schon dabei ist das Ruder auszubauen kann man direkt die Ruderlager tauschen. Der ursprüngliche Plan sah vor alles von jemanden machen zu lassen. Ich wollte nur den Neuanstrich mit Primer und Antifouling machen. Das kaputte Ruderblatt war gar nicht geplant. Ich weiß bis heute nicht, warum ich von diesem Plan abgewichen bin. Besonders das alte Antifouling entfernen war eine elende Plakerei, eine Strafe für jemanden der Vater und Mutter erschlagen hat. Mir tut immer noch der Rücken weh, wenn ich daran denke. Danach war das Polieren des Rumpfes fast Welness Urlaub. 

Fix und alle vom Antifouling kratzen

Das neue Ruderblatt! Fast zu schade um es nur unter Wasser zu lassen!

Wenn das Schiff an Land steht ist segeln richtig scheiße. Das Ruderblatt ist schon freigelegt.  Man sieht nur noch den Schaum.

Antifouling kratzen – Knochenjob mit Atemschutz und Schutzbrille. Von den groß angekündigten Kontrollen bezüglich zugelassenes Antifouling für NL habe ich in drei Wochen Werftzeit nichts mitbekommen

Sehr nette Leute habe ich kennen gelernt. Wir saßen abends immer bei jemanden an Bord, haben geklönt und Pläne geschmiedet,  gefachsimpelt und uns gegenseitig unser Leid mit unseren Schiffen geklagt, Partys gefeiert, uns gestritten, geholfen und nachts besoffen durchs Hafenbecken gemotort. Klingt gut, ich habe aber wirklich noch immer Rückenschmerzen vom Antifouling kratzen. 

Party an Bord

Seit dem ist wenig passiert. Ich bin oft an Wochenenden am Schiff. Die kurze Anfahrt von ca. 3 Stunden rechtfertigt einen Wochenendaufenthalt. Das Ijsselmeer ist als Revier recht entspannt: handiger Wind, keine Gezeiten, Navigation nach Sicht. Ich treffe oft Leute und es ist gezellig. Allerdings werden meine Etappen immer kürzer. Ich bin sogar an einem Wochenende mit Sonnenschein und Segelwind gar nicht aus dem Hafen gesegelt. Kein Bock irgendwohin zu segeln. Alles schon gesehen. Ich werde faul!!

Sonnenuntergang im Heimathafen Urk

Für den Sommer habe ich „englischer Kanal“ geplant.  Wie der aufmerksame Leser vielleicht zwischen den Zeilen herausgelesen hat, konnte mich die englische Ostküste nicht begeistern. Dabei hatte ich die schlimmsten Häfen meiner Meinung nach schon ausgelassen. Diesmal möchte ich in eine touristisch erschlossene und attraktive Gegend segeln. Ob das klappt?  Gefühlt warte ich jetzt schon auf Wind aus der Richtung Nicht-Südwest. Ich glaube mittlerweile, bei mir sind „Segeltörn planen“ und auf „Segeltörn gehen“ zwei komplett verschiedene Hobbys. Sie haben fast nichts miteinander zu tun. 

Für diesen Sommer möchte ich in idyllischen Flußmündungen ankern, nette Segler treffen, Seafood essen, mit meinen Französisch Unkenntnissen scheitern, Gezeiten Navigation trainieren und einfach nur mit ’nem kalten Bier in der Sonne liegen.
So ist der Plan.  Mal sehen was daraus wird…… 

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , | 2 Kommentare

Sylvester in Amsterdam 

Daraus wird nichts. Hier in Urk hüllt seit Tagen dichter Nebel den Hafen ein. Ich kann kaum zwei Stege weit gucken. Zwei Ablege-Versuche scheitern vielleicht eine halbe Meile hinter der Einfahrt. Ich sehe einfach nichts. 

Ich bleibe in Urk und bewundere das Feuerwerk. Junge Männer tragen schwere Kartons auf den Parkplatz vom Hafen,  zünden sie an und gehen weg. Etwas später böllert es aus dem Karton,  dass man denkt, die Stadt explodiert. Minutenlang. Der leere Karton brennt noch, da schleppen sie schon den nächsten zum Platz. 
Vielleicht nächstes Jahr Amsterdam? 

Feuerwerk Urk

Amsterdam besuche ich mit dem Auto

Veröffentlicht unter Uncategorized | 3 Kommentare