Newtown Creek

Angeblich wohnt Ellen McArther hier um die Ecke! „Hier lässt sie ihr Ruderboot zu Wasser.“, erzählt mir der Vogelbeobachter. Das finde ich wesentlich aufregender als den Sandregenpfeiffer, den er mir davor stolz präsentiert hat. Ich sitze in einer Vogelbeobachterhütte (bird hide) mit zwei Vogelbeobachtern. Draußen hängt eine Tafel auf der die Vogelarten vermerkt sind, die heute gesichtet wurden. Ferngläser liegen für Besucher bereit und zwei Regalbretter voll mit Vogelbestimmungsbüchern. Eine Liste mit Vogelnamen in vier Sprachen. Die beiden sitzen hier stundenlang und beobachten Vögel. Komisches Hobby. Sie selber segeln nicht. Ich soll erzählen, wie es Nachts auf dem Ozean ist.

Vogelschutzhütte

An der Mooring im Newtown Creek

Lagerfeuer im Newtown Creek

The Needles von Land

Viel mehr als Vögel und Ellen McArther gibt’s hier nicht. Ich ankere endlich im Fluß, so wie ich das schon lange vorhatte. Genauer gesagt liege ich an einer Mooring. Für den Anfang kann man das gelten lassen. Bei Niedrigwasser ist der Fluß gerade so breit wie zwei Schiffslängen aber nur in der Mitte tief genug.

Ich genieße die Aussicht ins Nichts und höre in der Stille die Möwen – vielleicht sogar den Sandregenpfeiffer. Dazwischen vertreibe ich mir die Zeit mit Dinghi Ausflügen. Ich rudere in Richtung Shanfleet bis das Wasser für das Dinghi zu flach wird. Den Rest stapfe ich durch den Mud, das Dinghi im Schlepp, bis zu dem Anleger. Von dort kann man in einen guten Pub laufen.

Mein letzter Ausflug führt mich zu dem Kiesstrand ein paar Ruderschläge vom Ankerplatz entfernt. Es ist kalt geworden und ich mache ein Lagerfeuer um daran meine Schuhe und Socken zu trocknen. Und ein bisschen auch fürs Ambiente.

 

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Poole Harbour

Als in der Studlandbay die ersten Jetskier und Wasserskiläufer auftauchen, gehe ich Anker auf. Ich möchte mir Poole Harbour anschauen. Der Ankerplatz hinter Brownsea Island ist mir zu ungeschützt und in die ‚Bloody Alley‘ traue ich mich nicht herein, weil es flach ist und auch weil der Name abschreckt. Ich lege mich einfach an eine private Mooring etwas unterhalb von ‚Pottery Pier‘. Vorher frage ich noch einen Nachbarn, ob das jemand etwa gegen haben könnte. Er zeigt mir eine Mooring, an der er schon lange keinen mehr gesehen habe. Da könnte ich auch über Nacht liegen.

Brownsea Island in Poole Harbour. Angeblich sind hier die Pfadfinder ‚erfunden‘ worden.

Sonnenuntergang in der Studlandbay

Der Platz ist gut aber ich muss über eine halbe Meile gegen Wind und Strömung rudern bis ich anlanden kann. An großen Teilen des Ufers ist das verboten. Ich muss irgendwann an der Verbotenen Küste notlanden, weil ich nicht mehr rudern kann. Die restlichen 100 m ziehe ich das Dinghi durch das seichte Wasser am Strand entlang. Brownsea Island gilt als Geburtsstätte der Pfadfinder, die hier ‚erfunden‘ worden sein sollen. Rote Eichhörnchen soll es geben. Ich hatte mir die Insel wesentlich einsamer vorgestellt. Sie ist aber beliebter Ausflugsort mit Fährverbindung und Cafe.
Zum übernachten segle ich allerdings nach Yarmouth auf der Isle of Wight.

The Needles von See aus

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Honfleur Freiluftrestaurant

Honfleur scheint ein einziges, großes Restaurant zu sein. Mit Hafen. Ich liege mittendrin und bin mit meinem Boot wichtiges Requisit in der Kulisse. Angeblich kann man sich den Pastis direkt bis aufs Boot bestellen. Ich habe es nicht probiert. Ich bin als drittes im Päckchen und hätte den Kelner nicht über die Boote klettern sehen wollen.

 Zora im Vieux Bassin in Honfleur
Ich schlendere lieber durch die Kopfsteinpfalster Gassen und fotografiere das Vieux Bassin von allen Seiten.

Beim durchfahren der Fußgängerbrücke wurde ich vielfach fotografiert. Eine Frau klaschte sogar Beifall! Am nächsten morgen um 8:30 Uhr klatscht keiner. Es regnet. Ganz schlau habe ich mir überlegt, eine Stunde vor Niedrigwasser loszufahren. Dann habe ich noch schiebenden Strom. Scheiß Idee. Schon in der Schleuse wird mir mulmig. Sie ist so breit wie lang, ich werde mehrere Meter heruntergeschleust in ein dunkeles, glitschiges Loch.  An den Wänden wachsen Muscheln, kleine Krebse klettern auf der Suche nach Wasser umher, es tropft überall. Kein Mensch weit und breit. Einen Schleusenwärter vermute ich hinter einer verspiegelten Glasfront ca. 6m über mir. Als das Schleusentor aufgeht, sehe ich braunes Wasser, brechende Wellen, weiße Schaumkronen in dem schmalen Fahrwasser auf dem Weg ins offene Meer. Dagegen an für 8 sm? Ich fahre raus und die Strömung drückt mich gegen kleine Wände aus Wasser. Eine Quälerei. Ich drehe um, es hat keinen Sinn. Nun surft Zora mit nur 2 Knoten Speed die Welle herunter – Gegenströmung! Eine Welle steigt sogar ins Cockpitt.

Hoffentlich ist die Schleuse noch auf. Man kann davor nicht festmachen sondern nur im Schlick stecken. Schleuse ist offen, Ampel springt auf grün (ich wäre auch bei rot hereingefahren), der Spuk ist vorbei. Der Schleusenwärter kommt beiläufig aus seinem Häuschen, winkt und verzieht keine Grimasse.

Die Einfahrt zur Schleuse Honfleur bei Niedrigwasser

Nach dem Anlegen warte ich sieben Stunden aufs Hochwasser. Lesen, spazieren gehen, essen, voll entspannt alles. Nachmitags schläft der Wind immer mehr ein und ist ganz weg als ich endlich aus dem Seine Fahrwasser motort bin.  Le Havre also. Klingt vielleicht anfangs nicht so, war aber ein entspannter Tag.

Kellner bei der Pause – Honfleur

 

Vieux Bassin Honfleur

 

Altstadt Honfleur

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Fecamp und Le Havre

Die Boulongerie Fachverkäuferin hat mich gestern dezent darauf hingewiesen, dass es wohl gar nicht ‚une‘ (ün) sonder ‚un‘ (öh) Croissant heißt. Ich habe dann herausfinden können, dass ‚und‘ auch gar nicht ‚i‘ sondern ‚et‘ also ‚e‘ heißt! Bisher habe ich trotzdem bekommen was ich wollte. Nur mit dem Wetterwunsch klappt es nicht. Ich hatte mich bei der Planung auf viel Westwind eingestellt. Es überrascht mich selbst, wie sehr es mich nun doch störrt, dass dieser Westwind tatsächlich da ist. Immer wenn die Sonne kurz zwischen den Schauern herrauskommt, fühlt es sich gleich wie Urlaub an. Auf dem Weg nach Fecamp habe ich auf dem Vorschiff gesessen und ein Buch gelesen!!! Ohne Ölzeug! In Fecamp ankommen war wie ins Mittelmeer segeln. Buntes Leben am Strand, die Restaurants sind voll, es gehen sogar Leute baden. Ich spaziere an der beeindruckenden Steilküste entlang in kurzer Hose und T-Shirt.

Leben am Strand in Fecamp

Fecamp am Strand Sonne und Aussicht genießen

Am nächsten Tag ist der Urlaub vorbei. Alles wieder grau in grau, Regen und Schauerböen, viel Wind. Hafentag. Die Etappe nach Le Havre ist ähnlich wechselhaft. Erst stundellanges kreuzen gegen Hackwelle bis zum Cap. Danach reichen etwas Sonne und 15 Grad abfallen um zu zeigen, wie schön segeln sein kann; sein könnte!

Regenwetter in Fecamp

Fecamp grau in grau. Einziger Farbklecks ist das Verkehrsschild

Le Havre selbst ist keine Touristenstadt. Andere würden sagen, Le Havre ist häßlich. Das finde ich nicht. Es braucht ein wenig um sich mit der Stadt anzufreunden. Der Strand ist sehr schön. Man kann schwimmen, surfen und kiten, abhängen, Segelboote gucken und im Hintergrund ziehen die Frachter vorbei. Auf die eigenwillige Bebauung der Stadt muss man sich halt einlassen. Es wirkt etwas wie Sowjetunion. Welche Farben hat noch mal die russische Flagge?  Im Sommer ist es bestimmt richtig schön. Ich könnte hier wohnen.

Hotel de Ville in Le Havre

Strandhäuser in Le Havre

Strandhäuser in Le Havre

Container Skulptur in Le Havre

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Chuck Norris segelt nicht gegen die Strömung

Weil ich das mit der Tide hier noch nicht so richtig einschätzen kann, bin ich sehr unentspannt unterwegs. Nur nicht später als 21:32 Uhr ankommen! Dann ist der Querstrom an der Hafeneinfahrt am größten. So habe ich das ausgerechnet. Und das will man nicht haben. So glaube ich!

Also brettere ich wie eine Irre vollkommen übertakelt durch eine konfuse See. 10 Stunden am Wind bei 5, meist 6 und bis 7 Windstärken. Jede fünfte oder siebte See geht übers Schiff und bis in mein Gesicht. Wegducken lohnt sich irgendwwann nicht mehr. Ich laufe extra ein paar Grad mehr Höhe um in Luv der Einfahrt auszukommen. Bloß nicht am Ende noch kreuzen müssen.

Ich bin verkatert von gestern, kurz vor Seekrankheit und steuere fast alles selber. Weil das hilft. Die halbe Strecke überlege ich, ob ich umdrehen soll, zurück segeln. Es wäre so einfach. Zwei Boote sehe ich unterwegs, eines davon ist die Fähre. Bei der Ausfahrt in Boulogne sur Mer drehten alle nach Norden ab.

Die Windsteueranlege ist überfordert mit den Bedingungen. Für sie hätte ich längst reffen müssen. Für mich auch. Ich kusche vor 2 Knoten Querstömung und segle mich halb krank. Die Belohnung? Alles naß, auch innen, Rückenschmerzen, blaue Flecke (neue und alte etwas blauer geworden). Erst als ich Dieppe von Weitem erahnen kann, bin ich wieder im Chuck-Norris-Modus und halte mich für unverwundbar! Über 7 Knoten Speed, ich kann etwas abfallen. Chuck Norris segelt nicht gegen den Wind. 7,6 Knoten und da schiebt keine Tide, die setzt nur quer!

Im Hafen sitzen alle gemütlich im Cockpitt. Kinder lachen und spielen auf dem Steg. Der Hafenmeister schlendert von Boot zu Boot. Es duftet nach Essen. Ja wissen die denn nicht, wie es mir draußen ergangen ist? Ich mache fest und frühstücke erstmal: Croissant und Anleger-Bier.

Ich lerne noch Kerstin und Helmut kennen. Sie kommen von 18 Jahren Weltumseglung und segeln gerade zurück nach Kappeln. In Boulogne sur mer habe ich Silke und Hans kennengelernt und in Dunkerque bin ich mit netten Belgiern versackt. Ich habe jetzt schon mehr Leute getroffen als in 4 Wochen Ostengland!

Castel in Boulogne sur Mer

Markt in Boulogne sur mer – spannendes einkaufen für mich. Ich spreche kein französisch

Kreidefelsen in Dieppe

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